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Kommentar 1 - Messestandort Deutschland

 

Wie geht es mit dem Messestandort Deutschland - mit Tagungen und Messen - in nächster Zeit weiter ?

Wir können das Land wohl nicht für ein Jahr in den Dornröschenschlaf versinken lassen, auch wenn wir inzwischen wissen, dass das Virus nicht in wenigen Monaten wie ein Spuk verschwinden wird. Es wird uns, wie andere Viren und Bakterien auch, lange begleiten. Also müssen wir eine halbwegs realistische Zeitperspektive als Annahme nehmen, wann und wie wir die Wirtschaft wieder anschieben. Es steht zu erwarten, dass die Ausgangssperre erst ab Mai/Juni schrittweise wieder aufgehoben wird. Ich erwarte das nicht vor dem 31. Mai 2020. Derzeit laufen die meisten Planungen darauf hinaus, dass alle Veranstalter nach Ersatzterminen im 2. Halbjahr des Jahres suchen. Für manche Messen wird sich 2020 kein Ausweichtermin mit ausreichender Hallenkapazität finden. Diese werden auf das Jahr 2021 verschoben.

Messen sind für Deutschland eine Schlüsselindustrie. Die Umwegrentabilität, die sie erwirtschaften, ist gigantisch. Der wirtschaftliche Schaden für den weltweit größten MESSESTANDORT DEUTSCHLAND ist unermesslich. Die Automobilindustrie ist da flexibler; sie kann ihre Produktion nach Bedarf herunter- und wieder hochfahren. Das kann kein Dienstleiter. Der Hotel- und Gaststättenverband bringt die Lage auch für das Messewesen auf den Punkt: "Das Bett, das ich im April nicht verkaufe, kann ich im Herbst nicht zweimal verkaufen."

Große Messen sind so wenig beweglich wie Riesentanker.

Es kann nie und nimmer gelingen, alle - in diesen Monaten abgesagten mehrtägigen - Messen in das 2. Halbjahr 2020 zu verschieben. Dazu reichen die Hallenkapazitäten aller Messeplätze Deutschlands nicht. Man muss bedenken, dass jede Messe Auf- und Abbauzeiten hat und immer ein Brutto-Zeitfenster von minimum drei (meist mehr) Wochen braucht. Man sieht bereits, dass fast alle Messen von privaten Veranstaltern, also "Gastveranstaltern", (AngaCom, Logimat u.a.) für 2020 abgesagt werden. Die großen Messegesellschaften in Frankfurt, Hannover und Köln priorisieren ihre eigenen Messen, denn selbst dafür gibt es nicht genug gute Termine in der zweiten Jahreshälfte. Die privaten Veranstalter werden nach hinten gereiht in das Folgejahr 2021.

Die Logistik hinter so einem großen, komplexen Gebilde, wie es die LIGHT & BUILDING in Frankfurt oder die HANNOVER MESSE ist, ist immens. Die ersten Absagen z.B. die Absage der Light & Building erfolgte in einem sehr frühen Stadium und das keineswegs aufgrund einer Verfügung zur Absage von Großveranstaltungen im Bundesland Hessen insbesondere Frankfurt. Was kaum jemand weiss: die Umsatzbringer für die Messe Frankfurt sind seit Jahren die Großaussteller aus Italien und China (mit vielen tausend Quadratmetern). Die im Verhältnis zu den Light-Hallen relativ kleinen Building-Hallen sind für den Umsatz der Messegeschaft vergleichsweise marginal. Nachdem diese chinesischen und italienischen Light-Aussteller reihenweise ab Januar ihre Stände stornierten, zog man dann für die LIGHT & BUILDING die Notbremse. Das Szenario war in der Kürze der Zeit nicht mehr umzugestalten. Hinzu kam, dass die Messe Frankfurt eigentlich noch in Schockstarre war, nachdem sich die Weltmesse IAA, die Automobil-Ausstellung (ein Teil der Identität dieser Stadt) nach 70 Jahren, im Januar unter großem Gepolter vom Messestandort Frankfurt verabschiedet hatte. 

Es liegt auf der Hand, dass viele Aussteller die neu angekündigten Termine nicht in ihre fertigen Pläne für das 2. Halbjahr integrieren können. Wo wollen sie denn ihre Stände einlagern ? Den Messebauern fehlt die Lagerfläche und auch die Mitarbeiter. Die Lage für viele Messebaufirmen, deren Geschäft zum totalen Stillstand gekommen ist, ist prekär. Sie haben sich mittlerweile zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, da über 50 Prozent dieser Messebauer kurz vor der Insolvenz stehen.

Tja, und die Hotellerie & Gastronomie in Frankfurt, Köln, Hannover etc. befindet sich derzeit nicht nur in Schockstarre, sondern im freien Fall. In welcher Verfassung die Branche im Herbst ist, bleibt abzuwarten.

Konferenzen/Kongresse mit 100-200 Teilnehmern sind vergleichsweise wendige Schnellboote.

Es ist zwar kein Leichtes - aber doch mit überschaubarem Aufwand machbar, einen neuen Termin für eine vergleichsweise schlanke, ein- oder zweitägige Veranstaltung zu finden, die nicht ein mehrwöchiges Zeitfenster für MesseAufbau + Messeablauf + -Abbau braucht.

Trotzdem handelt es sich für das verbleibende Jahr 2020 um zahlenmäßig zu viele Events. Da sind die bereits in Vorbereitung befindlichen für Herbst 2020 und hinzu kommen die Konferenzen/Kongresse/Messen, die in den Herbst umziehen. Die Anzahl der Events im 2. Halbjahr steigt zwar nicht exponentiell. Jedoch sind die wenigen brauchbaren Termine zwischen Sommerferien, Herbstferien und Weihnachtsferien endlich. Das Zeitbudget professioneller Teilnehmer ist es ebenfalls. Die Events aber sind doppelt so viele. Ziehen Sie ihre eigenen Schlüsse daraus. Wir haben darum einen unserer zweitägigen Events, die PowerBuilding & DATA CENTER Convention München, auf einen kompakten Tag reduziert.  


Viele von Ihnen kennen uns "nur" als Veranstalter der infraKon und der anderen Kongressen/Konferenzen und fragen sich vielleicht, warum ich auch das Messewesen so genau einschätzen kann ? Unser Hintergrund: Wir haben 15 lange Jahre als privater Veranstalter eine der erfolgreichsten Fachmessen Deutschlands gemacht, die exponet. Die Netzwerkbranche nannte die exponet die "professionelle Cebit". In den Spitzenzeiten haben wir als Gastveranstalter auf dem Messegelände Köln dafür 70 000 qm angemietet. Wir durften mit der exponet vier Messeplätzen kennenlernen: Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Nürnberg. Wir wissen also eine ganze Menge über das Messewesen in unserem Lande.

Krassimira Bojinowa-Bauer
Geschäftsleitung exponet-infraKon GmbH

0049 171 1422154   /  KB(at)exponet-gmbh(dot)de

München, Sonntag, 15.. März 2020

P.S.: Bin jederzeit zum Meinungsaustausch bereit. Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir eine email

 

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